Die Wein- und Salzstraße

ein historischer und sicherer Transitweg in die Regionen jenseits der Alpen

Das Umland, das früher seine Rechtsprechung auf das Territorium der heutigen Gemeinden Bormio, Valdidentro, Valfurva, Valdisotto und Livigno ausweitete und den Namen der Hauptstadt, nämlich Bormio annahm, bezog aus den Erträgen aus dem Handel einen guten Teil seines wirtschaftlichen Erfolgs. Eingezwängt zwischen mächtige Gebirgsketten gelang es ihm, von den Herrschern und Feudalherren  weitreichende Privilegien und Freiheiten zu erhalten. 
Wahrscheinlich waren es die Franken, die als erste ein Straßennetz bauten, dass den sicheren Übergang aus dem Veltlin über Bormio in die jenseits der Alpen gelegenen Regionen ermöglichte. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die Herzöge von Mailand wegen der Privilegien, die sie den Händlern aus Bormio und Umgebung bei der Ausübung ihres Berufs zukommen ließen. Die beiden Hauptstraßen, die Bormio mit Tirol verbanden, und die auch die “königlichen” genannt wurden, da Teil des souveränen Rechts, waren die Fraele-Straße und die Umbrail-Straße. Die erstere bot im Winter mehr Sicherheit und den geringeren Höhenunterschied, sie wurde im Mittelalter "Via Longa" genannt, die zweitere führte schneller zum Ziel und war die von den Pferdeführern bevorzugte "Via curta de Venusta". Die Waren, mit denen überwiegend gehandelt wurde, waren Wein und Salz. Der im Veltlin zollfrei erworbene Wein wurde in den transalpinen Regionen mit beträchtlichem Gewinn weiterverkauft. Das Salz stammte aus Tirol, aus den Salinen im Umland der Stadt Hall in der Nähe Innsbrucks und wurde in die Lombardei verkauft. Befördert wurde die Ware auf Saumtieren, die in Karawanen von mehreren Dutzenden den Pass in Richtung Deutschland überquerten. Die Packtiere wurden mit zwei Fässern an den Seiten des Packsattels beladen und einem dritten, kleineren, das auf dem Rücken lag. Die durchschnittliche von einem Pferd beförderte Menge betrug zirka 126 Liter, was einer  “soma” entsprach, der Maßeinheit für jede Art von per Lasttier beförderter Ware. In den Wintermonaten überquerte man den Pass mit Schlitten, die von Pferden gezogen wurden. In der Tat war die Straße wohl zu jeder Jahreszeit passierbar, wie die Verträge mit den "Brechern" bezeugen, den mutigen Männern in dicker Wollkleidung, die unter Einsatz ihres Lebens  die Schneedecke "aufbrachen", um die Gefahr von Lawinen abzuwehren. Die Strecke nach Hall hatte in Bormio ihren Ausgangspunkt, erklomm dann den Umbrail- und den Fraele-Pass, stieg hinab nach S. Maria ins Münstertal, führte von Taufers hinauf zum Reschenpass und wieder hinunter nach Nauders, Landeck, Innsbruck und Hall. Für diese Strecke benötigte man nach Aussage eines Pferdeführers hin und zurück sechzehn Tage. Unterwegs wurde auch das eine oder andere Amüsement mit willfährigen Frauen nicht verschmäht, und nicht selten wurden Betroffene wurde beschimpft, indem man ihnen unterstellte, sie hätten auf der Reise nach Hall Bastarde gezeugt. Die Fraele-Straße diente nicht nur dem Handelsverkehr, sondern wurde auch von Pilgern bereist, deren Ziel Rom war, und vor allem von Soldatenhorden, insbesondere während des Dreißigjährigen Krieges.

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